
Die Situation auf dem Börsenplatz sorgt seit einiger Zeit für erhebliche Belastungen bei Anwohnern und Gewerbetreibenden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Lärm. Betroffene berichten von wiederholten Beleidigungen und Provokationen, Schlägen und Tritten gegen Fensterscheiben sowie davon, dass Müll und Gegenstände in gastronomische Betriebe geworfen werden.
Auch Gäste sind von den Vorfällen betroffen. Gastronomen berichten, dass Besucher aufgrund der Situation ihre Lokale verlassen. Damit wird das Problem zunehmend auch zu einer wirtschaftlichen Belastung für die ansässigen Betriebe.
Stefan Becker von der WIN@WBV-Fraktion hat sich die Situation an mehreren Tagen selbst vor Ort angesehen und Gespräche mit Geschäftsleuten geführt.
„Als Gast ist die Situation teilweise kaum zu ertragen. Von einem gemütlichen Essen kann zeitweise keine Rede mehr sein. Noch schwerer wiegt aber, was uns die Gewerbetreibenden schildern. Wenn Gäste aufgrund solcher Vorfälle gehen oder möglicherweise nicht wiederkommen, wird aus einem Ordnungsproblem schnell auch ein wirtschaftliches Problem“, so Becker.
Für WIN@WBV ist deshalb klar: Die Sorgen der Menschen, die am Börsenplatz wohnen und arbeiten, müssen ernst genommen werden. Gleichzeitig darf eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen nicht dazu führen, dass alle jungen Menschen pauschal unter Verdacht gestellt werden.
Streetwork und Elternarbeit
WIN@WBV hat inzwischen Kontakt mit dem Jugendamt aufgenommen. Dort ist man bereits an der Sache dran. Für Olaf Fischer, der für WIN@WBV auch im Jugendhilfeausschuss tätig ist, liegt hier eine klassische Aufgabe der aufsuchenden Jugendarbeit:
„Wir müssen die Jugendlichen direkt erreichen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Streetwork ist genau für solche Situationen da. Gleichzeitig müssen aber auch die Eltern angesprochen und in ihre Verantwortung einbezogen werden. Gerade weil ein Teil der Familien im unmittelbaren Umfeld des Börsenplatzes lebt, bestehen dafür gute Voraussetzungen.“
Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, Kinder und Jugendliche vom Börsenplatz zu vertreiben. Der öffentliche Raum sei für alle da. Aber Spielen und gemeinsamer Aufenthalt seien etwas anderes als Beleidigungen, gezielte Belästigungen oder Sachbeschädigungen.
Präsenz und konsequentes Einschreiten
Neben der Jugendhilfe hält WIN@WBV eine verstärkte Präsenz von Polizei und kommunalem Ordnungsdienst zu den bekannten Problemzeiten für notwendig.
„Wenn sich Vorfälle regelmäßig zu bestimmten Zeiten ereignen, sollte dort auch gezielt Präsenz gezeigt werden“, so Becker. „Das wirkt präventiv und ermöglicht zugleich, konkrete Vorfälle unmittelbar festzustellen und entsprechend zu reagieren.“
Auch die von WIN@WBV vorgeschlagene Citystreife kann künftig einen Beitrag leisten. Sie soll insbesondere in der Innenstadt, der Fußgängerzone und auf öffentlichen Plätzen sichtbar präsent sein, Konflikte frühzeitig erkennen und bei Bedarf Polizei oder Ordnungsamt einschalten.
Jugendlichen wohnortnahe Angebote machen
Für Fischer gehört zu einer dauerhaften Lösung aber auch die Frage, welche Aufenthaltsmöglichkeiten die Stadt jungen Menschen bietet. Hier sieht er auch eine Verbindung zu seiner Arbeit in den Ausschüssen für Planen und Bauen sowie Gebäude und Grundstücke.
„Wir können Jugendlichen nicht nur sagen, was sie nicht dürfen. Wir müssen ihnen auch attraktive und wohnortnahe Möglichkeiten bieten, sich zu treffen. Genau deshalb sollten wir gemeinsam an beiden Seiten ansetzen: klare Grenzen dort, wo andere beeinträchtigt werden, und gleichzeitig vernünftige Angebote für junge Menschen.“, so Olaf Fischer.
Eine konkrete Möglichkeit sieht WIN@WBV weiterhin im Bereich des Parkhauses an der Peterstraße. Die Fläche liegt nur wenige Gehminuten vom Börsenplatz entfernt und damit unmittelbar im Wohnumfeld vieler der Jugendlichen. WIN@WBV hatte bereits vorgeschlagen, das städtische Objekt perspektivisch zu einem ganzjährig nutzbaren Ort mit StreetArt, Begegnungs- und Freizeitangeboten weiterzuentwickeln.
„Natürlich ist das keine kurzfristige Antwort auf die aktuellen Vorfälle und dafür wären noch einige Fragen zu klären“, betont Fischer. „Aber die Lage unmittelbar am Wohngebiet und nur wenige Gehminuten vom Börsenplatz entfernt macht den Standort interessant. Wenn wir von jungen Menschen Rücksichtnahme verlangen, müssen wir uns als Stadt auch Gedanken darüber machen, wo wir ihnen geeignete Räume und Aufenthaltsmöglichkeiten bieten.“
Für WIN@WBV gehören deshalb Schutz der Betroffenen, klare Regeln, Streetwork und attraktive Angebote zusammen.
„Wir wollen weder Jugendliche pauschal verurteilen noch die Probleme kleinreden“, erklären Becker und Fischer. „Unser Ziel muss sein, dass Anwohner, Gewerbetreibende, Gäste und junge Menschen die Innenstadt gemeinsam nutzen können. Dafür müssen jetzt alle Beteiligten ihren Beitrag leisten.“
03.09.2026